17. 02. 2008, 21:12

Schlachtfeld

Schlimm wie nie - 1.000 Skiunfälle täglich

© Getty

Die Zahl der Unfälle auf Skipisten rast auf ein Rekordhoch zu. 60.000 Mal wird es in dieser Saison krachen – die Spitalsbetten sind überfüllt.

Österreich zur Halbzeit der Semesterferien – die Bilanz ist ernüchternd. So viele Skiunfälle wie heuer gab es noch nie, lautet der Tenor in Österreichs Spitälern. Allein in Innsbruck und Salzburg werden täglich je 400 Wintersportler versorgt, in ganz Österreich schätzen Experten die Zahl auf 1.000. Das traumhafte Wetter zieht die Skifans heuer verstärkt in die Berge.

Die Ursachen: Zu schnell, zu riskant, zu dick

Hohe Geschwindigkeiten
Bessere Ski erlauben deutlich höhere Geschwindigkeiten. Da immer mehr Menschen auf der Piste unterwegs sind, steigt so die Wahrscheinlichkeit von Ski-Crashs.

Selbstüberschätzung
Die „Skiautobahnen“ mit perfekt präparierten Pisten fördern die Selbstüberschätzung. Auch wenn man heute mit den modernen Skiern das Fahren leichter lernt als früher, brauche es Erfahrung und regelmäßiges Training, um sicher unterwegs zu sein.

Mehr Übergewichtige
Mit zunehmendem Körpergewicht steigt die Schwere der Verletzungen. Körper­liche Fitness schützt eher bei leichten Stürzen.

Höheres Alter
Die Knochen brechen mit höherem Alter leichter. Zwar verunfallen die unter 30-Jährigen am häufigsten, doch findet sich der höchste Anteil der Schwer- und Schwerstverletzten in der Altersgruppe der 46- bis 60-jährigen Skifahrer.

Pechvogel
Jan Hovgaard aus Dänemark ist eines der Opfer (und ein klassisches Beispiel für die Unfallursachen). „Ich war mit dem Snowboard unterwegs“, erzählt er ÖSTERREICH. „Es war am späteren Nachmittag. Wir hatten noch nicht zu viel getrunken, aber ich war schon etwas müde. Da ist es passiert. Ich bin über eine Schneewechte gestürzt und auf den Ellenbogen gefallen. Die Speiche wurde dabei verschoben, ein Teil ist angebrochen.“

Maarten Rasmussen, ein Schüler aus Dänemark, gibt sich nach dem Unfall einsichtig: „Ich bin schnell, wahrscheinlich zu schnell gefahren. Ich habe verkantet und dann war es schon passiert.“

Im Kitzbüheler Krankenhaus versorgte Primar Siegfried Nagl Dutzende Verletzte wie die beiden Wintersportler. Immer häufiger dabei: Fahrerflucht. Im Zillertal liegt nach einer Frontalkollision ein 47-jähriger Deutscher im Tiefschlaf. Der Unfallverursacher fuhr einfach davon ...

Ärzte warnen
„Vergangene Woche war die Hölle los“, berichtet Bernd Köll, Leiter der Unfallchirurgie im Krankenhaus Zams. „Täglich mussten bis 140 Patienten ambulant und stationär aufgenommen werden, bisher die Woche mit den meisten Unfällen. Es ist fast nicht mehr zu schaffen.“

Böse Folgen
„Verletzungs-Klassiker sind immer noch der Unterschenkelbruch, der Ski-Haxen, gefolgt von Kniebandverletzungen, danach Verletzungen der Schultern und Arme – nicht zuletzt aber auch viele Verletzungen von Wirbelsäule, Becken und Brustkorb“, sagt Michael Blauth, Vorstand der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie an der Medizinischen Universität Innsbruck im Interview mit ÖSTERREICH.

Warum die Unfälle so eklatant in die Höhe schnellen, weiß Ingo Kroath vom Kuratorium für Alpine Sicherheit in Tirol: „Die Leute nehmen ihren beruflichen Ehrgeiz mit auf die Piste und sind nach drei Tagen Skifahren übermüdet. Zudem ist Kunstschnee in tieferen Tallagen oft pickelhart. Nur etwa zehn Prozent aller Unfälle sind Kollisionen, die meisten Unglücke passieren hingegen als Eigenfehler.“

Autor: scc, wol

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evita meint am 13.05.2008 18:31

Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Bergunfälle und Kletterunfälle, Materialprüfungen für Skiunfälle, Bergunfälle, Kletterunfälle, Lawinenunfälle und Materialprüfungen für Unfälle mit seiltechnischen Aufbauten und Seilgärten www.alpingutachten.de

Gast: meint am 19.02.2008 06:34

Ich kann es nur Wiederholen ! Der Gesetzgeber soll doch endlich bei Sportunfällen den Selbstbehalt DRASTISCH erhöhen , um so diese "Sportkanonen" zu zwingen eine Zusatzversicherung abzuschließen ! Ich bin Schifahrer , für mich ist das eine Selbstverständlichkeit . Übrigens mit Kasko , sollte ich einen Unfall verursachen , bräuchte ich NICHT Fahrerflucht begehen !! Zusatzvers. gilt natürlich für sämtl. Risiko-Sportarten !!

Gast: sa meint am 18.02.2008 12:31

Seit mehr als 20 Jahren Naßfeld Urlauber,wohne in Pension der Sohn des Besitzers ist beim Sölle Skilehrer seine Worte: Ja seit die Pistentschetniks zu uns kommen ist das Skifahren zum Risikosport Nummer 1 geworden.

Gast: meint am 17.02.2008 23:12

Würde eine zusätzliche Unfallversicherung für Skifahrer verpflichtend
eingeführt, hätte Österreich kein Krankenkassendefizit.

Gast: meint am 17.02.2008 23:36

ich bin Gleitschirmpilot , muss um meinen Sport ausüben zu können , drei Versicherungen abschließen!
Schirmhaftpflicht,
eigene Haftpflicht,
Unfallversicherung,
und seit neuesten eine bergeVersicherung (Hubschraubereinsatz ec.)
wie kommt die Öffentlichkeit dazu die folgen eines gefährlichen Sport`s
wie es Skifahren nun einmal ist zu tragen ?

Gast: meint am 18.02.2008 01:27

menschen, die sport betreiben sind leistunfgfähiger. die wirtschaft sollt also nicht so schnöde sein.

zweitens:
man sollte einmal die umwegrentabilität der medizinischen versorgung berechnen. fast 30% des bruttosozialproduktes werden für gesundheit ausgegeben und die krankenkassen zahlen da eh nur einen teil davon.

mfg

Gast: meint am 19.02.2008 21:46

nicht einen Unfallversicherungsbeitrag mit den Liftkarten einheben. Das würde den geringsten bürokratischen Aufwand erfordern und der Liftbenützer wäre automatisch versichert.
Außerdem müsste auf den Pisten strenger kontrolliert werden: überhöhte Geschwindigkeit und vor allem Alkoholisierung. Da es auf den diversen Skihütten immer mehr wie auf dem Ballermann zugeht und der Alkohol in Strömen fließt, ist dies zwingend notwendig.
Wer besoffen ist, muss mit dem Lift wieder runterfahren und der Skipass verliert an diesem Tag seine Gültigkeit.

Gast:Wolfram meint am 17.02.2008 22:36

.... ODER Du bleibst gesund. Der alpine Schi-Nonsens ist ungesund, gefährlich und sauteuer dazu.

Gast: das meint am 18.02.2008 07:22

jeder selbst entscheiden, aber zahlen sollte nicht der staat bei schaden, sondern die sportler über eine versicherung.

Gast: meint am 19.02.2008 21:52

zahlt es ja nicht "der Staat", sondern wir alle mit unseren Steuern bzw. Versicherungsbeiträgen.
Es ist schon längst überfällig, dass Personen, die ein deutlich überhöhtes Risiko eingehen (egal, ob bei Sport, Rauchen, Fettsucht usw.) auch höhere Prämien zahlen sollten. Man könnte die ja als Risikozuschlag berechnen. Oder man könnte auch im Gesundheitswesen ein Bonus-Malus-System einführen. Das ist aber ziemlich umstritten.